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Flämische Galeone 1593 – Geschichte und Rekonstruktion

2010. április 26. hétfő 1 hozzászólás

Oder: Wieviel Zeit und Geduld benötigt man für den Bau eines besonderen Modells?

Es ist mittlerweile etwa 30 Jahre her, dass ich mir das Buch “Das Schiff” von Björn Landström gekauft habe. Tagelang bewunderte ich die vielen, bunten, farbigen Abbildungen der Schiffe. Von welchem Vorbild soll ich ein Modell bauen; Great Harry, Galeere La Reale, Royal Prince, Royal Sovereign of the Seas, St. Louis?
Letztendlich fiel meine Wahl auf die Die Flämische Galeone, 1593, die auf den Seiten 124 – 125 abgebildet worden ist. Leider es ist nur eine Seitenansicht; wunderbar bunte, um nicht zu sagen “kitschige” Renaissance-Zierden und -Ranken.


Schon damals hatte ich mich mit dem Bazillus der besonderen und exotischen Schiffe – über die französische Schebecke und die arabische Ghanja – angesteckt. HMS Victory und Golden Hind werden von von fast allen Modellbauern gebaut. Diese Aussage soll keine Abwertung sein! Nur eine Tatsachenfeststellung!
Die Welt ist voll mit mehr als 100.000 schlechter und schlechtester Modelle dieser Vorbilder – meine Anfängermodelle inbegriffen. Warum nicht lieber ein außergewöhnliches Vorbild suchen? Obwohl die französische Schebecke damals, 1972, nur in Ungarn exotisch war, nicht aber in den Länder oder bei der Nationen, die selber auf eine vielhundertjährige Schiffsbau-geschichtliche Tradition zurückblicken können! Die schöne, bunte Abbildung hat eine Maßstabsleiste, durch die klar wird, dass es sich bei der Galeone um ein ziemlich großes Schiff handelt (Rote Latte: Meter, Schwarze Latte: Fuß) Und ich habe mich wieder angesteckt.
Es gibt ein Originalmodell von 1593 im Museo Naval, Madrid, nach dem auch Herr Landström seine Seitenansicht gezeichnet hat. Leider ist es ein Votivschiff, also nicht maßstabgetreu. Es wurde zum Aufhängen gebaut; das reale Schiff wäre viel zu schmal, die Schiffseiten und die Bemastung sind viel zu hoch. Ich habe damals dem Museum geschrieben. Sie haben mir zwei Fotos geschickt und die Geschichte des Modells, aber sie hatten keine Risse. Nach mehrmonatigem Briefwechsel mit anderen Museen war klar: es gibt keine Risse.

Das Originalmodell

Heck des Originalmodells

Auf beiden Bildern ist gut zu sehen, dass die Proportionen des Modells nicht stimmen (siehe hierzu auch: Das Vorbild – weiter unten).
Nachdem ich damals schon zwei Golden Hind, eine Mayflower sowie eine Revenge und eine halbfertige französische Schebecke – abgesehen von vielen Kunststoffmodellen – gebaut hatte, fühlte ich mich gut genug, als “Experte” für Galeonen. Wenn es anders nicht geht, dann rekonstruiere ich das Schiff einfach.
Ach, “blauäugige” Selbstsicherheit, um nicht zu sagen, jugendliche Einbildung, hierher mit dem Löwen, aber sofort! Na ja, zum damaligen Zeitpunkt hatte ich schon eine ungarische Galeere von der Donau, aus der Zeit König Àrpáds, rekonstruiert. Die Risse habe ich einem Museum für 15000 Ft. verkauft, als mein Monatsgehalt ung. 5000 Ft. war.

Die Rekonstruktion

Zuerst habe ich das Bild aus dem Landström-Buch auf 1 : 50 vergrößert. Gezeichnet habe ich auf einem Zeichenbrett mit Zirkel und Lineal; die Berechnungen erfolgten mit dem Rechenschieber – Rechenmaschinen und Kopiergeräte gab es noch nicht. Die erste Zeichnung habe ich noch ohne Zierraten und Ranken erstellt.
Wie weiter? Was ist mit den Spantenrissen? Einfach!?
Ich habe die Risse der Revenge von Hoeckel genommen, deren Seitenansicht habe ich bei dem Hauptspant geschnitten, da die Ansicht der Revenge kürzer war, als die der Flämischen Galeone. Den vorderen Teil der – in zwei Hälften geschnittenen – Seitenansicht habe ich bei dem Vorsteven, den hinteren Teil bei dem Hintersteven auf die Seitenansicht der Flämischen Galeone angepasst aufgelegt. So hatte ich die Spanteneinteilung und die Spanten. Die fehlende mittlere Spanten habe ich nach “Gefühl” gezeichnet – PI x Daumen.
Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden ich dafür gebraucht habe.
Dann kam die erste bittere Enttäuschung! Die Spanten der Revenge von Hoeckel sind viel zu schmal, besser gesagt, nach oben sind sie nicht genügend eingezogen. Auf der Originalzeichnung von M. Baker befinden sich ähnliche “schmale” Spanten, aber dem widerspricht das Manuskript – “Abhandlung vom Schiffsbau 1620” – bei dem die oberen Teile der Spanten ziemlich weit eingezogen sind.
Wie sich später herausgestellt hat, sind auf der Seitenansicht des Buches von Landström die Raumtiefe und damit auch die Tiefgang zu gering ausgefallen. Das sollte auch korrigiert werden. Einige hundert Stunden im Eimer.
Ich hatte meine Lust dazu für gut zwei Jahren verloren. Nach Anschaffung vieler neuer Bücher und Zeichnungen: Der zweite Anlauf. Nach dem Neuzeichnen von ungefähr zehn Spanten: auch nicht gut! Glücklicherweise waren “nur” etwa 100 Stunden umsonst. Dann kam wieder eine lange – lange Pause.
Als ich schon seit vier Jahren in Deutschland lebte, ist mir zufällig das Buch von P. Kirsch “Die Galeonen” in die Hände gefallen. Mit großer Begeisterung habe ich gleich das unten abgebildete 3D-Bild gemalt (70 x 50 cm).

Air-Brush Gemälde

Spantkonstruktion nach der "Abhandlung..."

Auf zum dritten Anlauf – endlich ist die Rekonstruktion gelungen. Sie dauerte etwa drei Jahre. Spanteneinteilung, Spantenkonstruktion, Mallung, Senten usw., die Raumtiefe war größer zu nehmen, und viele – viele Berechnungen und Konstruktionen nach der Abhandlung. Spantenriss, Seitenansicht mit den Zierraten, Längsschnitt mit den Einrichtungen, viele Draufsichten, viele Querschnitte, Bemastung, Besegelung, Takelage, 24 Risse in 1 : 50.
Mit den Details will ich Euch nicht langweilen. Letztendlich bin ich nach vielen, vielen Jahren Arbeit und Forschung 1997 mit den Rissen fertig geworden. Nach weiteren zwei Jahren bin ich 1999 mit der Reinzeichnung der Risse fertig geworden.
Danach habe ich zur Kontrolle meiner Spantenrisse ein kleines Testmodell (Volumenmodell) in 1 : 100 gebaut. Zu meiner großen Zufriedenheit sind alle Planken wunderbar “gelaufen”, d.h. die Wölbung der Planken war nirgendwo “eingefallen” oder bucklig. Ich brauchte die Spantenrisse nirgendwo auszubessern. Was einerseits beweist, dass die aus dem Jahre 1620 stammende Konstruktionsmethode wirklich gut ist. (Obwohl sie auf den ersten Anblick ein bisschen kompliziert erscheint. Wohl wahr, wenn jemand mit der Mathematik und Geometrie auf Kriegsfuß steht – mit 3. und 4. Potenz sowie Wurzel, auch mit Trigonometrie muss man rechnen – , der tut gut daran, wenn er sie nicht ausprobiert – jedenfalls wenn er sich keine große Frustrationen einhandeln will. Geschweige den, dass dem Autor der “Abhandlung ….” hier und da bei den Berechnungen einige Fehler unterlaufen sind, was mir etliche Stunden Kopfzerbrechen gekostet hat.) Anderseits, dass meine Berechnungen sowie Konstruktionen gut gelungen sind.
Mitte 2004 habe ich angefangen das große Modell in 1 : 50 zu bauen und im Dez.2008 bin ich fertig geworden mit dem Bau.

Bugansicht

Querschnitt beim Hauptspant

Heckansicht

Längschnittsdetail

Um Euere Neugier zu erregen: 2 Fotos vom fertigen Modell.

Ansicht von vorne

Spiegel und Galerie

Das Vorbild und die Rekonstruktion einer Galeone nach einem authentischen Museumsmodell.

Im Jahre 1593 haben königstreue Flamen dem damaligen spanischen Kaiser und König, Philipp dem Zweiten, ein schönes Schiffsmodell geschenkt. Dieses befindet sich heute in einem ziemlich guten (oder, wie auch immer, in einem ziemlich ramponierten) Zustand im MUSEO NAVAL in Madrid. Wir können davon ausgehen, dass es sich hierbei um einen der bedeutendsten Segelschiffstypen seiner Zeit handelt.
Obwohl das Modell in den Inventarien und in der einschlägigen Literatur als Galeone bezeichnet wird, ist es aber eher ein Mischtyp einer schwerfälligen und schwergängigen plumpen Karracke und einer schlanken, wendigen Kriegsgaleone. Von der Karracke hat es die sehr hohen Bordwände und die nach Achtern und in die Höhe ohne Stufen fortlaufend gebogene Relings geerbt, aber ohne das für die Karracken typische, vorragende Vorkastell. Anderseits hat es die längere und schlankere Rumpfform, die nach vorne ausragende Gallion sowie die bessere Besegelung und Takelage einer Galeone.

Das Madrider Modell ist leider nicht maßstabgetreu. Es wurde ähnlich wie die sogenannten Votivschiffe – Kirchenmodelle zur Danksagung – gebaut, gedacht zum Aufhängen und der Betrachtung von unten. In der Längsrichtung ist es sehr schön proportioniert, aber die Bordwände und die Bemastung ragen sehr hoch auf, während das Unterwasserschiff sehr klein und schmal gehalten wird, um einen perspektivischen Ausgleich zu erzielen, wenn man es von unten betrachtet.
Einmalig ist die sehr schöne Verzierung der Bordwände im Stil der Renaissance, viel dekorativer als die einfachen geometrischen Muster der englischen Galeonen, viel filigraner und schöner ausgeführt, als bei der sogenannten Stockholmer Galeone. Beim Originalmodell sind die Bordwände bemalt, nur die achtern herumführende Galeriereling ist geschnitzt. Für den erfahrenen Modellbauer ist jedoch zu empfehlen, auch die Bordwandmotive geschnitzt oder plastisch darzustellen.
Das Modell hat eine ziemlich gemischte Takelage, die vielleicht teilweise darauf zurückzuführen ist, dass durch die Jahrhunderte hier und da beschädigte Takelage ohne Fachkenntnisse ausgebessert worden ist. Trotzdem deutet die Bemastung mit dem Spriet-, Fock-, Groß-, Besan- und Bonaventuramast darauf hin, dass das Modell ein ziemlich großes Schiff seiner Zeit darstellt.

Wie schon gesagt, das Modell ist nicht maßstabgetreu. Die Rekonstruktion anhand des Modells sollte aber ein Schiff darstellen, dessen Proportionen einer damaligen echten Galeonen entsprechen.
Ich konnte leider keine Hinweise darauf finden, ob ein solches Schiff während der Erstellung des Modells gebaut worden ist. Es gibt einige Hinweise in der Fachliteratur, wonach es ein großes flämisches Schiff Namens Le Grand Griffon gegeben haben soll. Auch gibt es einige vom Meersgrund geborgene Geschützrohre, die angeblich einer gleichnamigen großen flämischen Galeonen (die in der spanischen Armada gekämpft hat) bzw. deren Wrack gehören oder gehörten. Es finden sich aber keine Anhaltspunkte, ob dieses Schiff mit dem Modell übereinstimmt.
Dennoch stellt das Modell ein Schiff dar, dessen Typ uns der Flame Pieter Breughel der Ältere in seinen sämtlichen Zeichnungen und Gemälden – wenn auch mit weniger Zierrat – fachmännisch und lebensecht zeigt.

Für die Rekonstruktion verwendete Bezugsquellen:

  • “Abhandlung über dem Schiffsbau um 1620” – anonym Manuskript ohne Titel. Angeblich von Matthew Baker. Nach der Übersetzung von Peter Kirsch im Buch – Die Galeonen.
  • “Mallung nach dem Hauptspant” – Matthew Baker
  • ” Treatise on Rigging 1620″ – Takelage, anonym. Bearbeitung von W.Salisbury
  • “The Seaman ´s Dictionary” – von Sir H.Mainwaring
  • Schiffsdarstellungen von P.Bruegel d.Ä.
  • Modell einer flämischen Galeone – ohne Galerie , Museee de la Marine, Paris

Das pariser Modell

  • Modell “Großer lübecker Adler” – von dem zwar viele behaupten, dass es eine große Hansa Kogge wäre, was schon in sich fraglich, weil das Zeitalter der “wirkliche” oder “ursprüngliche” Koggen um 1530 schon abgelaufen ist. Eigentlich hat die Adler mit den früheren sog. Hansekoggen nichts gemeinsam. Dieses Schiff war der letzte Versuch der Hansa ihre mittlerweile tüchtig verringerte Hegemonye zu retten. Lieber zeigt es eine große Ähnlichkeit mit den flämischen Karracken und Galeonen. – Deutsches Museum, München – und Deutsches Schifffartsmuseum Bremenhafen

Großer lübecker Adler

Hauptmaße ( M 1:1 in Meter / M 1:50 in Milimeter )

  1. Größte Länge – mit Bugspriet und Papagaistock : 67,50/1350
  2. Größte Länge des Rumpfes: 56,25/1125
  3. Länge zw. den Steven: 42,90/858
  4. KWL: 40,00/800
  5. Länge des geraden Kiels: 32,25/645
  6. Größte Breite auf dem Hauptspant: 12,00/240
  7. Raumtiefe: 5,00/100
  8. Verhältniss zw. GB und Kiellänge: 1:2,688
  9. Höhe von der Unterkante Kiel bis zum Flaggenknopf des Hauptmastes: 56,00/1120
  10. Länge der Grossrah: 30,00/600